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Geschichte der Norwegischen Waldkatze

Aktualisiert am · 4 Minuten Lesezeit

Die Norwegische Waldkatze ist keine Erfindung von Züchtern. Sie lebte lange vor jedem Stammbaum auf Höfen, in Ställen und am Waldrand Norwegens. Zur Rasse wurde sie erst im 20. Jahrhundert, und auch das brauchte zwei Anläufe.

Eine Landrasse aus dem Norden

Woher die Norsk Skogkatt genau stammt, weiß niemand sicher. Fest steht nur, dass sich im rauen Klima Skandinaviens über Jahrhunderte ein Katzentyp hielt, der mit Kälte, Nässe und Schnee gut zurechtkam: groß, kräftig, mit dichter Unterwolle und einem Deckhaar, an dem Regen abperlt. Solche Tiere entstehen, wenn über viele Generationen vor allem die Katzen überleben und Junge bekommen, die mit den Bedingungen klarkommen. Man spricht deshalb von einer Landrasse oder einer natürlichen Rasse.

Über die Vorfahren gibt es mehrere Vermutungen. Eine besagt, dass Seefahrer Katzen aus dem Süden mitbrachten, die sich mit den einheimischen Hofkatzen mischten. Andere sehen Verwandtschaft mit langhaarigen Katzen aus Russland oder der Türkei, also mit den Ahnen der Sibirischen Katze und der Türkisch Angora. Belegt ist keine dieser Theorien. Sicher ist nur, dass die halblanghaarigen Katzen Norwegens als Mäusefänger auf Höfen geschätzt wurden, lange bevor sich jemand für ihren Stammbaum interessierte.

Norwegische Waldkatze mit voller Halskrause sitzt im Freien
Halskrause, Ohrpinsel, langer Schwanz: Der Typ hat sich an das Klima angepasst, nicht an einen Ausstellungsstandard. Bild: Durator, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Erster Anlauf in den 1930er Jahren

In den 1930er Jahren begannen norwegische Katzenfreunde, die Hofkatzen gezielt zu züchten. 1938 war die Norwegische Waldkatze erstmals auf einer Ausstellung in Oslo zu sehen, im selben Jahr entstand dort der erste Verein, der sich ihr widmete. Der Zweite Weltkrieg unterbrach die Arbeit. Weil sich die Hofkatzen in diesen Jahren wieder frei mit anderen Hauskatzen paarten, war der ursprüngliche Typ nach dem Krieg in Gefahr, in der allgemeinen Hauskatzenpopulation aufzugehen.

Anerkennung in den 1970er Jahren

Der zweite Anlauf begann Anfang der 1970er Jahre. Im September 1972 bekam die Rasse einen vorläufigen Standard und wurde von den norwegischen Vereinen als eigenständige Rasse anerkannt. Die ersten Zuchtkatzen wurden 1975 beim internationalen Dachverband FIFe registriert. 1977 erhielt der Kater Pans Truls als erste Norwegische Waldkatze den vollen Status bei der FIFe. Er gilt bis heute als Vorbild für den Typ, den der Standard beschreibt.

Danach ging es schnell. In den 1980er Jahren kamen die ersten Norweger nach Deutschland und in andere Länder Europas, 1989 folgte die Anerkennung in Großbritannien, 1994 nahm die amerikanische CFA die Rasse auf. Heute gehört sie in Europa zu den beliebtesten Rassekatzen; in der Statistik der FIFe steht sie seit Jahren unter den zehn häufigsten Rassen.

1938erste Ausstellung in Oslo, erster Verein1972vorläufiger Standard in Norwegen1975erste Registrierungen bei der FIFe1977Pans Truls erhält vollen Status2005Amber bei der FIFe anerkannt2007Amber als eigene Mutation beschrieben
Wichtige Daten der Rassegeschichte. Zu Amber gibt es einen eigenen Beitrag.

Sagen und Behauptungen

Kaum eine Rassebeschreibung kommt ohne Mythologie aus. In der nordischen Überlieferung ziehen zwei Katzen den Wagen der Göttin Freya, und in norwegischen Märchen tauchen Trollkatzen mit langen, buschigen Schwänzen auf. Ob damit die Vorfahren der heutigen Waldkatze gemeint sind, lässt sich nicht sagen. Die Edda beschreibt die Katzen der Freya nicht als langhaarig.

Eine Behauptung hält sich besonders hartnäckig: Die Norsk Skogkatt sei schon auf Wikingermünzen abgebildet gewesen. Dafür gibt es keinen Beleg, Münzen mit solchen Katzenbildern sind nicht bekannt. Ebenso wenig stimmt, dass Waldkatzen kopfüber einen Baum hinunterlaufen können. Sie klettern sehr gut und kommen auch geschickt wieder herunter, meist seitlich in Spiralen und mit einem Sprung am Ende. Für Kopfüber-Klettern fehlen ihnen, wie allen Hauskatzen, die passend gebogenen Krallen.

Norsk Skogkatt in Zahlen

  • Rassekürzel bei der FIFe: NFO
  • Gewicht: Kätzinnen etwa 3,5 bis 8 kg, Kater etwa 4,5 bis 9 kg
  • ausgewachsen mit drei bis vier Jahren
  • zugelassen sind fast alle Farben, nicht aber Point, Chocolate, Lilac, Cinnamon und Fawn

Was die Geschichte für heute bedeutet

Weil die Rasse aus einer großen, natürlich entstandenen Population hervorging, gilt sie als robust. Schwergeburten und lebensschwache Kitten sind seltener als bei manchen Rassen mit kleinem Genpool. Ganz ohne Probleme ist aber auch sie nicht: Eine erbliche Glykogenspeicherkrankheit wurde ausgerechnet in einer eng verwandten Linie von Norwegern entdeckt, dazu kommen Herz- und Gelenkthemen. Mehr dazu steht im Kapitel Gesundheit. Auch die Frage nach den Blutgruppen spielt in der Zucht eine Rolle.

Wer die Rassegeschichte im Original nachlesen möchte, findet einen guten Einstieg im Artikel Norwegische Waldkatze der deutschsprachigen Wikipedia, der die wichtigsten Daten mit Literaturangaben zusammenfasst.

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