Zum Inhalt springen
Norwegische WaldkatzenRasse, Farben, Gesundheit

Startseite / Das Blutgruppensystem der Katze

Das Blutgruppensystem der Katze

Aktualisiert am · 3 Minuten Lesezeit

Lange galten Kitten, die in den ersten Lebenstagen ohne erkennbaren Grund starben, als Pech oder schwache Natur. Heute weiß man, dass oft die Blutgruppe dahintersteckt. Für Züchter und für jede Bluttransfusion ist sie deshalb eine wichtige Information.

Drei Blutgruppen

Im wichtigsten Blutgruppensystem der Katze gibt es die Gruppen A, B und AB. Sie unterscheiden sich durch Zuckerstrukturen auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen. Mit den Blutgruppen des Menschen haben sie nichts zu tun, die Buchstaben sind zufällig gleich. Weltweit ist A die häufigste Gruppe, B ist je nach Rasse und Region selten bis recht häufig, AB ist bei allen Rassen eine Ausnahme.

Daneben kennt man weitere Merkmale auf den Blutkörperchen, etwa das 2007 beschriebene Antigen Mik. Es kann bei Transfusionen Probleme machen, auch wenn die AB-Gruppen zusammenpassen. Deshalb empfehlen Tierärzte vor einer Transfusion zusätzlich eine Kreuzprobe.

Wie die Blutgruppe vererbt wird

Die Blutgruppe wird von einem einzigen Gen bestimmt. Das Allel für A ist dominant, das für B rezessiv, das für AB liegt dazwischen: Es setzt sich gegen B durch, nicht aber gegen A. Eine Katze mit Blutgruppe B trägt also zwei B-Allele. Eine Katze mit Blutgruppe A kann dagegen ein B-Allel verdeckt tragen, ohne dass ein normaler Bluttest das zeigt.

ErbanlagenBlutgruppegibt weiter
A/AAnur A
A/bA (Trägerin von B)A oder b
A/abA (Trägerin von AB)A oder ab
ab/ab oder ab/bABab oder b
b/bBnur b

Zwei Katzen der Gruppe A können also durchaus Kitten mit Blutgruppe B bekommen, wenn beide Träger sind. Klarheit über verdeckte Anlagen bringt ein Gentest, mehr dazu im Beitrag zum Blutgruppentest.

Natürliche Antikörper

Das Besondere bei Katzen: Sie bilden ohne vorherigen Kontakt Antikörper gegen die jeweils andere Blutgruppe. Katzen mit Blutgruppe B haben sehr starke Antikörper gegen A. Katzen mit Blutgruppe A haben schwächere Antikörper gegen B. Katzen mit AB haben keine.

Daraus ergeben sich zwei Gefahren. Bekommt eine B-Katze Blut der Gruppe A, kann schon die erste Transfusion eine schwere, manchmal tödliche Reaktion auslösen. Und eine B-Mutter gibt ihre Anti-A-Antikörper mit der ersten Milch an ihre Kitten weiter. Sind diese Kitten Blutgruppe A, greifen die Antikörper deren Blut an. Diese Erkrankung heißt neonatale Isoerythrolyse und ist im Beitrag Kittensterben durch Blutgruppen ausführlich beschrieben.

Vor jeder Transfusion

Spender und Empfänger müssen getestet werden, auch im Notfall. In größeren Tierkliniken gehört der Schnelltest auf die Blutgruppe zur Routine, er dauert nur wenige Minuten.

Wie häufig ist B bei Norwegern?

Bei Hauskatzen ohne Rasse ist B in Mitteleuropa eher selten. Unter den Rassekatzen gibt es große Unterschiede: Bei Britisch Kurzhaar, Devon Rex und Cornish Rex ist B häufig, bei Siam und verwandten Rassen kommt es praktisch nicht vor. Die Norwegische Waldkatze liegt dazwischen. B ist bei ihr seltener als A, taucht aber in Zuchten regelmäßig auf. Die Zahlen aus verschiedenen Ländern und Studien schwanken deutlich, weil sie von einzelnen Linien und kleinen Stichproben abhängen.

Gerade weil B seltener ist, wird es leicht übersehen. Eine Zucht, die nie testet, merkt oft erst nach einem verlorenen Wurf, dass eine ihrer Kätzinnen Blutgruppe B hat. Aus genau dieser Erfahrung entstanden Anfang der 2000er Jahre unter Norweger-Züchtern Initiativen, Blutgruppen systematisch zu erfassen.

Was das für Halter bedeutet

Für eine Katze, die nicht in die Zucht geht, spielt die Blutgruppe im Alltag keine Rolle. Es ist trotzdem sinnvoll, sie zu kennen. Muss die Katze einmal operiert werden oder braucht sie nach einem Unfall Blut, spart das bekannte Testergebnis Zeit. Lassen Sie die Blutgruppe beim nächsten Bluttest einfach mitbestimmen und im Impfpass notieren.

Weiterlesen