Infektionskrankheiten und Impfschutz
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Ob reine Wohnungskatze oder Freigänger am Waldrand: Einige Infektionen können jede Katze treffen, weil Erreger auch an Schuhen oder Kleidung ins Haus kommen. Gegen die gefährlichsten gibt es zuverlässige Impfungen, gegen andere hilft nur Vorsicht.
Impfungen für jede Katze
Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) unterscheidet Impfungen, die jede Katze erhalten sollte, von solchen, die nur bei bestimmten Lebensumständen sinnvoll sind. Für jede Katze empfohlen sind Impfungen gegen Katzenseuche und gegen die beiden wichtigsten Erreger des Katzenschnupfens. Die Grundimmunisierung erfolgt im Alter von 8, 12 und 16 Wochen, eine weitere Impfung mit etwa 15 Monaten schließt sie ab. Danach richten sich die Abstände nach Impfstoff und Risiko.
Katzenseuche
Die Katzenseuche, medizinisch Panleukopenie, wird von einem Parvovirus verursacht. Es ist extrem widerstandsfähig und bleibt in der Umgebung monatelang ansteckend. Betroffene Katzen bekommen hohes Fieber, Erbrechen und blutigen Durchfall, die weißen Blutkörperchen brechen ein. Bei Kitten verläuft die Krankheit oft tödlich. Weil das Virus auch über Schuhe in die Wohnung gelangt, braucht auch eine reine Wohnungskatze den Impfschutz.
Katzenschnupfen
Katzenschnupfen ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Komplex aus mehreren Erregern. Die wichtigsten sind das Feline Herpesvirus und das Feline Calicivirus, dazu kommen Bakterien wie Chlamydien und Bordetellen. Typisch sind Niesen, Nasen- und Augenausfluss, Bindehautentzündung und bei Calici auch Geschwüre im Maul. Die Impfung verhindert eine Ansteckung nicht immer, mildert aber den Verlauf deutlich. Herpesviren bleiben nach einer Infektion lebenslang im Körper und können bei Stress erneut aufflammen.
Leukose und FIV
Das Feline Leukämievirus (FeLV) wird vor allem über Speichel übertragen, etwa beim gegenseitigen Putzen oder über gemeinsame Näpfe. Es schwächt das Immunsystem und kann Tumoren auslösen. Eine Impfung ist für Freigänger und Katzen mit Kontakt zu fremden Tieren sinnvoll, vorher sollte die Katze negativ getestet werden.
Das Feline Immunschwächevirus (FIV) ist mit dem HI-Virus des Menschen verwandt, für Menschen aber ungefährlich. Es wird hauptsächlich durch Bisse übertragen, deshalb sind unkastrierte Kater mit Freigang besonders gefährdet. In der EU gibt es keinen zugelassenen Impfstoff. Viele FIV-positive Katzen leben jahrelang ohne Beschwerden.
FIP
Die feline infektiöse Peritonitis entsteht aus dem harmlosen felinen Coronavirus, das viele Katzen in sich tragen. Bei einzelnen Tieren verändert es sich im Körper und löst eine schwere Entzündung aus, oft mit Flüssigkeit im Bauch oder Brustraum. Früher war FIP praktisch immer tödlich. Seit einigen Jahren gibt es antivirale Behandlungen, mit denen viele Katzen geheilt werden können. Welche Präparate in Deutschland eingesetzt werden dürfen, weiß die behandelnde Tierarztpraxis.
Tollwut
Deutschland gilt als frei von terrestrischer Tollwut. Wer mit seiner Katze ins Ausland reist, braucht trotzdem eine gültige Tollwutimpfung im EU-Heimtierausweis. Auch für Freigänger in Grenznähe kann sie sinnvoll sein.
Vor dem Besuch beim Züchter
Ein Kitten sollte bei der Abgabe mindestens zweimal gegen Seuche und Schnupfen geimpft sein, die Termine stehen im Heimtierausweis. Fragen Sie auch, ob die Elterntiere auf FeLV und FIV getestet sind. Mehr Tipps stehen im Beitrag Ein Norweger-Kitten finden. Die Impfleitlinie selbst veröffentlicht die StIKo Vet beim Friedrich-Loeffler-Institut; dort steht auch, wie oft aufgefrischt werden sollte.