Wenn Kitten an der Muttermilch sterben
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Der Wurf kommt gesund zur Welt, die Kitten trinken kräftig, und nach ein oder zwei Tagen werden sie plötzlich schwach. Ohne Erklärung sterben einige von ihnen. Hinter diesem Bild steckt oft eine Unverträglichkeit der Blutgruppen zwischen Mutter und Kitten.
Was dabei passiert
Kitten kommen fast ohne eigene Abwehrstoffe auf die Welt. Sie bekommen sie mit der ersten Milch der Mutter, dem Kolostrum oder der Biestmilch. In den ersten Lebensstunden kann der Darm der Kitten große Eiweißmoleküle wie Antikörper unverändert ins Blut aufnehmen. Nach etwa einem Tag schließt sich diese Tür.
Hat die Mutter Blutgruppe B, enthält ihre Biestmilch große Mengen Antikörper gegen Blutgruppe A. Kitten mit Blutgruppe A nehmen diese Antikörper auf. Im Blut der Kitten heften sie sich an die roten Blutkörperchen, die daraufhin zerstört werden. Der Fachbegriff dafür ist neonatale Isoerythrolyse, also Auflösung der roten Blutkörperchen beim Neugeborenen.
Woran man es erkennt
Die Anzeichen hängen davon ab, wie viele Antikörper ein Kitten aufgenommen hat. Manche Kitten sterben innerhalb weniger Stunden, ohne dass zuvor etwas aufgefallen wäre. Andere zeigen nach ein bis drei Tagen typische Zeichen:
- sie hören auf zu trinken und werden schwach
- der Urin ist rotbraun, weil zerfallener Blutfarbstoff ausgeschieden wird
- Schleimhäute und Haut werden blass oder gelblich
- bei überlebenden Kitten stirbt manchmal einige Tage später die Schwanzspitze ab
Kitten mit Blutgruppe B im selben Wurf bleiben gesund. Genau das macht das Bild so rätselhaft: Ein Teil des Wurfes gedeiht, ein anderer Teil stirbt.
Wie man es verhindert
Am sichersten ist es, die Blutgruppen vorher zu kennen und eine B-Kätzin nur mit einem B-Kater zu verpaaren. Ist das nicht möglich, lässt sich der Wurf trotzdem retten. Die Kitten mit Blutgruppe A, oder vorsorglich alle Kitten, dürfen in den ersten 16 bis 24 Stunden nicht bei der Mutter trinken. In dieser Zeit werden sie mit Katzenaufzuchtmilch versorgt oder, falls verfügbar, von einer Amme mit Blutgruppe A gesäugt. Danach können sie die Antikörper nicht mehr aufnehmen und dürfen zur Mutter zurück.
Die Blutgruppe der Kitten lässt sich direkt nach der Geburt mit einem Tropfen Nabelschnurblut im Schnelltest bestimmen. So müssen nur die gefährdeten Kitten getrennt werden.
Wichtig
Wer einen Verdacht hat, sollte sofort die Tierarztpraxis anrufen. Ein Kitten mit diesen Anzeichen braucht Hilfe innerhalb von Stunden, nicht Tagen.
Eine Erfahrung aus der Zucht
Viele Zuchten haben das Problem auf die harte Tour kennengelernt. Ein typischer Verlauf, wie er aus Züchterkreisen oft berichtet wird: Eine junge Kätzin bringt ihren ersten Wurf zur Welt, alles sieht gut aus, und innerhalb weniger Tage sterben mehrere Kitten. Der Tierarzt findet keine Infektion. Erst der Bluttest bringt Klarheit: Die Mutter hat Blutgruppe B, der Kater A. Beim nächsten Wurf werden die Kitten getrennt, und alle überleben.
Solche Erfahrungen haben in der Szene der Norwegischen Waldkatze dafür gesorgt, dass das Thema heute bekannt ist und Blutgruppentests in vielen Zuchten selbstverständlich sind. Welcher Test welche Information liefert, steht im Beitrag zum Blutgruppentest.
Und bei Katzen ohne Zucht?
Für Kastraten spielt die neonatale Isoerythrolyse keine Rolle. Wichtig bleibt die Blutgruppe aber für Transfusionen. Die Grundlagen dazu erklärt der Beitrag zum Blutgruppensystem.